Die Bänggner Fasnacht
Von der FGB zum 11er-Rat

Noch von Hand geschriebene Protokolle verschiedenster Vereine liefern den Beweis: Fasnacht hat in Benken immer schon stattgefunden. Beliebt waren in früheren Jahren drei Varianten: Entweder in Gruppen oder als Einzelmaske zogen Fasnächtler von Haus zu Haus (auch Wirtshäuser sind Häuser), unterhielten die Leute, bekamen meistens ein Getränk gespendet (privat oft Rosoli) und setzten sich zum Ziel, möglichst lange nicht erkannt zu werden. Das in Benken "Häxnä" genannte Treiben (intrigieren) fand während der Hauptfasnachtstage intensiver statt, wurde aber gerne auch schon während der so genannten "Uzit" (Unzeit) begangen, den Tagen und Wochen vor dem Fasnachtsbeginn am Schmutzigen Donnerstag also.

Ebenfalls in der Uzit, an den schulfreien Nachmittagen des Mittwochs und an den Wochenenden, intensiver aber wiederum während der Hauptfasnacht vom Schmutzigen Donnerstag (Schübeldunnschtig), dem "Iklämmtä Fritig" über den Fasnachtssamstig, Fasnachtssunntig, Güdelmäntig und Fasnachts-Zischtig veranstalteten insbesondere sportliche junge Männer eine Strassenfasnacht (Strassäkomedi). Das war in früheren Jahren ein echtes Gaudi für die Kinder und Jugendlichen. Diese versammelten sich zu Dutzenden auf den Strassen und lockten die verkleideten, spurtschnellen Häxä mit choralen Rufen wie "Uusziä, uusziä", "Süühund, Süühund" oder dem eher singenden "Häääx-häääx-Hä-ä-ä-ä-äx" und "Häx Häx-d'Schnurrä vertätscht" zu Fangaktionen à la "Räuber und Poli". Leider geriet das "Nachärüefe" der Kinder während einiger Jahre etwas in Vergessenheit und damit ins Hintertreffen. Es wird heute aber wieder durch die Türggä-Buzzi und den Meier-Club an bestimmten Tagen bewusst gepflegt und angeboten.

Der dritte fasnächtliche Beitrag der Benkner manifestierte sich in der Organisation eines Umzuges. Wie erwähnte Vereinsprotokolle wiedergeben, wurden die Delegierten der Benkner Vereine jeweils nach Weihnachten, aber rechtzeitig vor der Fasnacht zu einer so genannten Fasnachtsversammlung einberufen. Das Plenum bildete dann sozusagen ad hoc jeweils die Fasnachtsgesellschaft Benken, kurz die FGB. Diese FGB hatte auch einen Vorstand. Lange Jahre präsidierte der frühere Musikpräsident Hermann Blöchlinger diesen FGB-Vorstand, viele Jahre auch Hans Küng (Hilari Häns). Die letzten Vorstandsmitglieder waren Hans Küng, Konrad Kraaz, Margrit Holdener, Simon Ziegler und Geri Kühne. Weil der Vorstand jeweils in mühsamer Umfrage die Vereinsdelegierten aufforderte, sich zu einem allfällig bevorstehenden Umzug zu äussern und die Delegierten sich zwar brav äusserten, aber an der Versammlung der FGB jeweils nur mitteilten, dass sie ein Mitwirken an eben diesem eventuellen Umzug logischerweise zuerst ihren Vereinsmitgliedern zu unterbreiten und deren Einverständnis einzuholen hätten, setzte eine sich immer mehr ausbreitende positive Entwicklung in Richtung "motivierte" Fasnächtler ein.









FGB-Vorstand


Die motivierten Fasnächtler in den Vereinen wurden eingeladen, sich zu Kliggen zu formieren. Schon am 11.11. im Jahre 1971 gründeten sich aus dem Männerchor heraus die Rätschi Wiber, die in der Folge die Bevölkerung während über dreissig Jahren mit Schnitzelbängg und Söng überraschten. Schon in den 50er Jahren wurde in Benken das eine oder andere Jahr an Dreikönigen die Fasnacht eingeschellt. Das 1968 gegründete Jugendforum Benken lancierte den Brauch des Einschellens 1969 wieder neu, woraus dann die Einschellergruppe Benken gegründet wurde. Ebenfalls zu Beginn der 70er Jahre entstanden weitere Kliggen: Sie seien hier in der ungefähren Reihenfolge ihrer Gründung aufgeführt: Bürglihäx, Bürglitüüfel, Türggä-Buzzi, Lächelicheibe, Töpfli-Häxä, Urchigä Büchler, Pfiffäbuur, Appezöller, Klatschblettli, Geschnetzeltes, Nachtwächter, Schnäder-Böggä, Muggätätscher, Pfiffächöpf, Pensionär, Sumpfhüehner, Hagazussas, Ollweiss, Glisser, Wäfüüri. Leider existieren heute nicht mehr alle diese Kliggen, neue, motivierte Fasnächtler sind aber herzlich eingeladen, sich zu Schnitzelbängglern, Büttenrednern usw. zusammenzuschliessen. Nur so lebt die Fasnacht weiter.


Der 11er-Rat

Mit den Kliggen und den motivierten Fasnächtlern entstand Anfang der 70er Jahre auch eine neue Bänggner Fasnacht mit einem jeweiligen Fasnachtsmotto, einer Fasnachtsplakette, die es in dieser Form nur in Benken gibt, weil nicht eine einzige der handgemachten und farbigen Exemplare gleich aussieht wie die andere und demnach jede Plakette ein Unikat ist, und auch dem inzwischen legendären Kostümball am Abend des Schmutzigen Donnerstags.
Dort, am Ball, wo es manchmal ruhig wie in einer Kirche sein kann, weil die Fasnächtler feinen Versen der Büttenredner und Schnitzelbänggler lauschen, am Ball, wo neben dem Humbatätärä der Guggenmusigen auch schon Tränen flossen, weil nicht nur Lachen mit echten Narren und Fasnächtlern einhergeht, wurde ab 1974 jeweils auch ein Tschämpien gekürt. 32 sind es inzwischen, und alle, die noch leben, sind in der Tschämpiens-Liig vereinigt und treffen sich jeweils am 12.12.12.12 zum "Tschämpienwurschtessen" in einer Dorfbeiz. Und alle, die nicht mehr leben, werden aus Dankbarkeit für das, was sie für die Dorfgemeinschaft allgemein und während des Jahres, insbesondere aber für die Fasnacht geleistet haben und darum auch Tschämpien geworden sind, in bester Erinnerung behalten.

Schon einen Monat vor dem 12.12. treffen sich heute die Benkner Fasnächtler. Der Vorstand der FGB wurde mit der dynamischen Entwicklung Anfang der 70er Jahre aufgelöst und in einen 11er-Rat, Elferrat, Ölferrat überführt. Dieser 11er-Rat, sinnigerweise aus 11 Personen bestehend, organisiert und/oder koordiniert quasi in Schirmherrschaft seither alles, was in Benken mit Fasnacht zu tun hat (Gümpelimittwuch vor dem Schmudo, Chesslete am frühen Schmudomorgen, Türggä-Buzzi-Aufzug, Kostümball, Umzug, Strassäkomedi, Kindermaskenbälle, Jugenddiscos, Suppälöfflätä, Drägglizug, Türggä-Buzzi-Abzug und Verbrännätä), und gibt jeweils am 11.11. eines jeden Jahres einer versammelten Narrenschaft das bevorstehende neue Fasnachtsmotto bekannt. Etliche Fasnächtler treffen sich am 11.11. bereits um 11.11 Uhr: Ein durch die Rätschi Wiber lancierter "BüBu" (Büchel-Bummel), ein Rundgang um und über den Büchel mit Treffs und Gags zu weiteren närrischen Stunden wie 12.12 Uhr, 13.13 Uhr, 14.14 Uhr usw., ist im Begriff, wieder zu neuem Leben zu geraten. BüBu wird allerdings nur gelingen und weiter bestehen, sofern es "diä jungä Trübel" auch verstehen, mit Zeit, Geld und Konsumationen bis 22.22 Uhr, also 11 Stunden und 11 Minuten nach dem Start um 11.11, vernünftig und geziemt umzugehen. Damit sie auch die letzte Stunde von 22.22 bis 23.23 Uhr in närrischer Würde hinter sich bringen...

11er-Ratspräsidenten und damit Obernarren waren Geri Kühne und Ernst Ziegler (in Cooperation), später Marcel Schnider, dann Romana Thoma-Kühne. Heute ist es Bruno Dönni. Dem 11er-Rat (ohne aktuelle Ratsmitglieder) gehörten seit seiner Gründung folgende motivierte Narren an: Geri Kühne, Ernst Ziegler, Ruedi Scherz, Rosi Schnider, Rita Bühler, Pirosch Schmucki, Bruno Paradowski, Paul "Presi" Küng, Fredi Lendi, Claudio Gmür, Lothar Ziegler, Märs Schnider, Albert Glaus, Marcel Blöchlinger, Monika Kuyper, Bärbel Kuster, Anschi Jud, Walti Hofstetter, Andrea Hofstetter, Bernadette Hochreutener, Urs Obrist, Sonja Hager, Olaf Schmucki, Sämi Kühne, Erika Brändle, Marcel Hosang, Irène Zweifel Hug, Sepp Seliner, Romana Thoma, Tanja Romer, Daniel Hofstetter und Martina Mullis. Manche unter ihnen engagieren sich noch immer sehr stark für die Fasnacht. Bruno Paradowski zum Beispiel liefert seit 40 Jahren das Sujet für die Plakette, andere machen sich immer noch aktiv in Kliggen nützlich, weil bemerkbar. Zehn der einstigen 11er-Räte sind bereits Tschämpien, ein anderer wird es mit Garantie an der kommenden Fasnacht!

von Geri Kühne


zum aktuellen 11er-Rat